Geschichte – Frøslev Plantage

Bis in die 1850er schickten die Bauern von Frøslev ihre Schafe auf die Grasflächen, die heute die Frøslev Plantage bilden. Danach wurde das Gebiet stufenweise vom deutschen Forstwesen aufgekauft, das es mit Fichten und Kiefern bepflanzte. Heute ist die typische durch Sandtreiben entstandene Landschaft mit ihren außergewöhnlichen flachen, feuchten Sanddünen und Dünen wieder teilweise sichtbar, so dass man diese einzigartigen geologischen Formationen erleben kann.

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Vom Sand und Kies aus dem Eis gebildet

Frøslev liegt auf der Grenze zwischen der fruchtbaren, ostjütländischen Moränenlandschaft und der sandigen, westjütländischen Heideebene. Unmittelbar östlich der Pflanzung befindet sich die so genannte Hovedstilstandslinje (Stillstandsgrenze), bei der die Eismassen aus dem Nordosten vor 22.000 Jahren anhielten. Frøslev Sand, das Gebiet, auf dem sich die Pflanzung befindet, ist ein Gebiet mit Binnendünen, die vom Sand des Schmelzwassers gebildet wurden. Als das Eis schmolz, war das Gebiet sehr leer. Kein Bewuchs konnte gegen das Sandtreiben schützen, so dass der Wind leichtes Spiel hatte. Der Sand fegte von Westen über das Gebiet und lagerte meterdicke Schichten ab.

Als das Klima wärmer wurde, wuchs die sandige Landschaft mit Eichengebüsch zu. Obwohl der Boden mager ist, ist er aufgrund des vielen Regens relativ fruchtbar. Während der Bronzezeit und der Eisenzeit wurde das Eichengebüsch gerodet, um Platz für Ackerbau und Weiden zu schaffen.

Kälteres Klima führt zur Bildung von besonderen geologischen Dünenformationen

Um das Jahr 1000 fand wieder ein Klimawechsel statt. Es wurde kälter, der Ackerbau wurde eingestellt und die Bevölkerung verschwand aus dem Gebiet. Das galt auch für Bäume und Büsche auf einer größeren Fläche, vielleicht nach einem Feuer auf der Heide. Der Wind hatte jetzt wieder freies Spiel, um die Landschaft zu verändern. Berge von Sand wechselten ihren Standort und wurden zu Dünen, hier in der Gegend „Polde“ genannt. Zurück blieben eine Reihe von flachen Sandhügeln, oben mit feuchten Moosen, „Klimpe“ genannt. Eine harte Schicht aus Ortstein und Torf verhindert, dass das Wasser in den Untergrund dringt, und im Gegensatz zu anderen Hügeln steht in diesen Dünen oben Wasser, während die niedrigeren Bereiche trocken sind.

Über Jahrhunderte nutzten die Bauern die Heiden um Frøslev als Weiden für ihre Schafe. Die Beweidung und die Landwirtschaft ergänzten die Bauern durch Torfstechen. Im 19. Jahrhundert war Frøslev Sønderjyllands größter Ort mit mehr als 30 Höfen. Heute ist Frøslev ein Ortsteil von Padborg.

Bewaldung durch Kriegsreparationen bezahlt

In den Jahren nach 1871 begann das deutsche Forstwesen damit, große Heidegebiete in Schleswig und Holstein aufzukaufen, um dort Wald anzupflanzen. Die südjütländischen Pflanzungen stammen alle aus diesem Zeitraum. Die Aufforstung wurde mit Geld aus den Reparationszahlungen von Frankreich an Deutschland nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71 finanziert. Die Flächen bei Frøslev Sand wurden mit Fichte und Tanne bepflanzt, damals die bevorzugten Baumarten im Gebiet. Die Fichten wuchsen gut im mageren, sandigen Boden, wo sie auch reichlich Wasser bekamen. Hier fallen jährlich 1.000 mm Niederschlag.

Deutsche und dänische Gefangene im Lager Frøslev

1944 vereinbarte die deutsche Besatzungsmacht mit den dänischen Behörden, dass ein Gefangenenlager gebaut werden sollte, in dem die Deutschen dänische Widerstandskämpfer internieren konnten. Dadurch, dass man die Gefangenen auf dänischem Boden hielt, erhoffte die dänische Seite, dass man sie gegen die Grausamkeiten in den deutschen KZs schützen konnte. Es sollte sich jedoch bald herausstellen, dass die Deutschen nicht daran dachten, die Vereinbarung, die Gefangenen in Dänemark zu behalten, einzuhalten. Mehr als 1.600 dänische Gefangene wurden von Frøslev weiter in deutsche Lager geschickt. Ungefähr 220 von ihnen starben.

Nach dem Krieg wurde das Lager Frøslev in Faarhuslejren umgetauft und für die Internierung von Dänen, die mit den Deutschen zusammengearbeitet hatten, verwendet. Bei weitem die meisten stammten aus der Deutschen Minderheit in Sønderjylland. Das Lager wurde bis 1949 für diese Zwecke verwendet und dann dem Militär übergeben.

Heute befinden sich in den Gebäuden die Schule Frøslevlejrens Efterskole sowie die Museen Frøslevlejrens Museum, Hjemmeværnsmuseet und FN-museet sowie Ausstellungen über die Geschichte der dänischen Beredskab und Amnesty International.

Weitere Informationen über das Lager Frøslev unter kulturarv.dk (auf Dänisch)

Sturmschäden führten zu innovativem Denken

Die letzten Bäume der ursprünglichen Bepflanzung der Pflanzung fielen 1966. Im darauffolgenden Jahr wurde Dänemark von einem der schlimmsten Stürme des Jahrhunderts heimgesucht. Die Pflanzungen in Sønderjylland wurden hart getroffen – in den Staatsforsten im Gebiet um den Ort Bov fielen insgesamt 95.000 Kubikmeter Holz. Aber der Windbruch 1967 bahnte gleichzeitig den Weg für neue Arten, die Pflanzungen zu betreiben. Die Dünenlandschaften wurden plötzlich sichtbar, als die Bäume umgestürzt waren, und auf der Heide-Dünenlandschaft Finkehede im nördlichen Teil der Pflanzung entschied man, nicht wieder neu anzupflanzen, sondern nur die umgefallenen Bäume zu entfernen. Seit dieser Zeit werden weitere Gebiete freigelegt, so dass die außergewöhnliche Dünenlandschaft deutlich zu erkennen ist.

Mehr Stürme und höhere Temperaturen im Winter bedeuten, dass Gemeine Fichten nicht so gut gedeihen wie früher. Daher pflanzt man heute einen abwechslungsreicheren Wald mit robusten Laub- und Nadelbaumarten an. Die offenen Heide- und Dünengebiete werden gepflegt, so dass sie nicht wieder zu Wald werden. Das wird u.a. dadurch gemacht, dass man Galloway-Rinder und isländische Pferde hier weiden lässt.

Die neue Art des Forstbetriebs gibt eine bessere Lebensgrundlage für viele Pflanzenarten, Insekten, Tiere und Vögel – und neue Möglichkeiten für interessante Naturerlebnisse.

Jeder fünfte Baum fiel, als Allan zuschlug

Wetter und Wind bestimmen weiterhin die Tagesordnung in der Frøslev Plantage. Im Oktober 2013 wurde Dänemark vom gewaltigen Sturm Allan getroffen, der im südlichsten Jütland am schlimmsten zuschlug. In der Frøslev Plantage waren die Schäden enorm. Es stürzten drei Mal so viele Bäume um als während des Sturms 1999. Ganze 20 Prozent der Pflanzung – ca. 55.000 Kubikmeter Holz – stürzten um. Die Nadelbäume waren am schlimmsten betroffen. Viele von ihnen knickten, da der Boden trocken war und der Sturm kurz und intensiv.

Allan zog große Änderungen in der Pflanzung nach sich. Ganz neue, offene Landschaften tauchten auf, und die meisten werden wieder mit Bäumen bepflanzt. Da die Frøslev Plantage als naturnaher Wald betrieben wird, werden mehr Laubbäume als im alten Nadelwald gepflanzt werden.

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Über den Namen Frøslev

Frøslev wird 1472 zum ersten Mal als Frossleue erwähnt. Die erste Silbe des Namens verweist möglicherweise auf die nordische Göttin Frø. Eine andere Interpretation von Frøslev ist, dass es „Hinterlassenschaft“ oder „Eigentum“ des Fürsten bedeutet. Die Endung „-lev“ bedeutet Erbgut.