Skallingen und Langlis Geschichte

Langli Feltstation. Foto: Søren Rask Jessen

Skallingen in ständiger Veränderung

Skallingen ist eine der jüngsten Landschaften in Europa. Vor 350 Jahren war die 10 km lange und bis zu 2 km breite Halbinsel tosendes Meer. Nach einer der gewaltigsten Sturmfluten in Dänemark im Jahr 1634 wurden die Strömungsverhältnisse geändert und Skallingen wurde aufgebaut. Bis weit in das 19. Jahrhundert war sie nur eine Sandbank ohne Vegetation. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchte man, das neue Land durch Deiche und Buhnen zu sichern, und dadurch die Überschwemmungen durch das Meer zu reduzieren und Vegetation entstehen zu lassen.

Der Staat kaufte Skallingen 1979 und die Halbinsel ist jetzt vollkommen den Naturkräften überlassen. Aus dem gleichen Grund ist Skallingen von groβem Interesse für Forscher, und das Watt und Gebiet Hobo Dyb zwischen Skallingen und Langli sind zum wissenschaftlichen Referenzgebiet ernannt, in dem jeglicher Aufenthalt und Jagd verboten sind.

Während der letzten 100 Jahre ist Land von Skalling Ende abgebröckelt, das 1400 m kürzer geworden ist. Das ist u.a. auf den menschlichen Einfluss zurückzuführen, da die Fahrrinne Grådyb nach Esbjerg vertieft wurde. Auch frisst das Meer ca. 3 m Dünen jedes Jahr, während die Marsch sich auf der Ostseite von Skallingen aufbaut, wo sich Lehm und organisches Material während des Hochwassers ablagern.

Wenn diese Entwicklung weitergeht, wird Skallingen langsam in Richtung Nordosten zur alten Küstenlinie von 1634 hin bewegt, und dann werden die alte Rettungsstation und die vielen privaten Ferienhäuser im Laufe der nächsten 50 Jahre im Meer verschwinden. Aber so muss es nicht kommen. Eine nochmalige Sturmflut könnte alles ändern, und vielleicht einen erneuten Aufbau von Skallingen bedeuten.

Skalling befindet sich in ständiger Veränderung – aber die Veränderung ist etwas unvorhersehbar.

Eine Speisekammer für Vögel

Mit der Bildung von Skallingen und der Entwicklung von Watt und Marsch auf der Windschutzseite der Halbinsel wurde die Basis für ein Naturgebiet gelegt, das groβe Bedeutung für die Vögel auf ihrem Zug hat. Pflanzen und Marsch und Strandwiesen und massenhaft Bodentiere – die in und auf dem Watt, in Gezeitenrinnen und Tiefen leben – bilden gemeinsam die Nahrungsgrundlage für Wasservögel auf ihrem Zug in und von fernen Brutgebieten in Richtung Norden.

Während der Ebbe können die Vögel im trockengelegten Watt nach Nahrung suchen, in dem jeder Quadratmeter zehntausende von Schneckeln, Muscheln, Krebstieren und Bürstenwürmern enthält. Miesmuscheln, die groβe Bänke im Wasser des Hobo Dyb und Hjerting Løb bilden, sind die wichtigsten Futterquellen für Eiderenten und Austernfischer. Gräser und Samenpflanzen werden von Pfeifenten, Spieβenten, Ringelgänsen u.v.a.m. gefressen.

Über den Namen Skallingen und Langli

Skallingen stammt wahrscheinlich vom Wort „skalling“, was nackter Heidehügel bedeutet.

Langli tauchte zum ersten Mal 1545 als Langeheh, einer Kontraktion von „lang“ und „leghe“, wahrscheinlich einem alten Ausdruck für „fiskerleje“ (Fischerort), auf. Der Name bedeutet daher: „Der lange Fischerort”.

Keine Minen auf Skallingen

2012 wurde Skallingen zur minenfreien Zone erklärt und damit ist es das erste Mal seit die Deutschen während des 2. Weltkriegs 72000 Minen auslegten, dass man sich überall auf Skallingen frei bewegen kann. Die teuerste Minenräumung in der Geschichte Dänemarks dauerte sechs Jahre, da sämtliche Dünen an der Südspitze durchkämmt und wieder in Ordnung gebracht werden mussten.

Der Schmuggler- und Fischerort Sønderside

In der Nacht zum 16. Oktober 1634 erfasste eine Sturmflut Sønderside und löschte den Fischerort mit einem Schlag aus. „Den 2. store mandedrukning” (2. groβes Ertrinken) wurde die Sturmflut genannt, viele Häuser wurden vom Meer mitgerissen und eine unbekannte Zahl von Menschen ertrank.

Von Sønderside ist im Groβen und Ganzen gar nichts übrig. Aber was ist eigentlich verschwunden? Berichte deuten darauf hin, dass Sønderside 4-5 Monate im Jahr eine Art Schmuggler- und Fischer-Klondyke war, das auch von deutschen und holländischen Schiffe besucht wurde. Der Handel blühte, aber dem Bezahlen von Steuern an den König und der üblichen Abgaben, die die Kaufleute an Handelsstädte wie Ribe, Varde und Ringkøbing zahlen mussten, wurde nicht gerade vorschriftmäβig nachgekommen.1548 wurde ein königlicher Erlass erstellt, der ausländischen Kaufleuten verbot, die Fischerorte bei Sønderside zu besuchen. Sämtlicher Handel mit Fischen gehörte den Bürgern in den Handelsstädten. Eine Übertretung der Regel führte zu Beschlagnahmung von Schiff und Ladung, die danach zwischen König und den Kaufleuten geteilt werden sollten. Das führte zu vielen Streitigkeiten und Gerichtsverfahren, reichte aber nicht aus, um den Handel bei Sønderside zu beenden. Er wurde erst mit der Sturmflut 1634 beendet.

Man hat versucht, Sønderside wieder aufzubauen, aber es bekam nie wieder die einstige Bedeutung. Die Sturmflut hatte die Besegelungsverhältnisse verändert, so dass es schwierig geworden war, nach Sønderside zu kommen, da Skallingen sich im Entstehungsprozess befand. Gleichzeitig wurde der Fischbestand geringer und das führte dazu, dass Sønderside im Laufe der Zeit ganz aufgegeben wurde.